Aufgelegt und abgerutscht

Musiktheater Die erste Premiere der Staatsoper in dieser Saison, Fromental Halevys "La Juive", hätte ein bissiger Kommentar zur aktuellen Situation in Österreich sein können.

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Fast hätte man meinen können, die Wiener Staatsoper wollte - keine drei Wochen nach der Wahl - einen bissigen Kommentar zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Österreich liefern. Die Neuproduktion von Fromental Halevys Grand Opera "La Juive" ("Die Jüdin") hätte dazu die Möglichkeit geboten: Im liberalen politischen Klima Frankreichs kurz nach der Juli-Revolution von 1830 schrieb der jüdische Komponist eine musikalisch zwar wohlklingende, inhaltlich (Libretto: Eugene Scribe) aber selbst heute noch überraschend deutliche Anklage gegen den jahrhundertealten Antisemitismus der christlichen Welt.

Konstanz 1414, zur Zeit des Konzils. Rachel (Soile Isokoski), die Tochter des jüdischen Goldschmieds Eleazar (Neil Shicoff), ist die Geliebte des vermeintlichen jüdischen Malers Samuel - in Wirklichkeit niemand anderer als Reichsfürst Leopold (Zoran Todorovich), der streng katholische Gatte von Prinzessin Eudoxie (Regina Schörg). Das verbotene Verhältnis fliegt auf, Kardinal Brogni (Alastair


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