Sag ja zur Hauptsatzreihe

Literatur Nach der Lektüre von "Lügen", dem zweiten Roman von Elke Naters, werden komplizierte Dinge einfach. Wenn man erst das richtige Shampoo gefunden hat.

Stefan Ender | Kultur | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Literatur ist wie Kleidung. Ein bisschen. In beiden Bereichen gibt es zuerst einmal ein paar große Namen, die man auf der ganzen Welt kennt. Die bieten verlässlich: stilistische Innovationen, tolle Stoffe und eins a handwerkliche Qualität. Ein-, zweimal im Jahr überkommt es einen dann, und man kauft: den neuen Salman Rushdie oder Günter Grass, bzw. das Sakko von Helmut Lang oder die supercybermäßigen Schuhe von Prada. Und dann sitzt man da und müht sich durch die ersten hundert Seiten, hm, na ja, lese ich im nächsten Urlaub fertig, und das Sakko, das meditiert im Kleiderkasten vor sich hin. Das dunkelblaue T-Shirt von H&M (öS 79,90,-) hingegen ist vom wöchentlichen Kreislauf Oberkörper - Waschmaschine - Trockner völlig ausgelaugt, denn das passt und ist schön und macht sogar die Schultern ein bisschen breit.

Elke Naters' Romane sind das literarische Äquivalent eines H&M-T-Shirts: Nah dran an der Kompliziertheit des Lebens und somit an einem selbst, dabei aber einfach und unprätentiös,

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