"Fir frau Brandajs"

Kunst Eine Ausstellung im Palais Harrach erinnert an Leben und Werk der vielfältig begabten Bauhaus-Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis aus Wien, die in Auschwitz ermordet wurde.

Kultur | Jan Tabor | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Unter den Kastanienbäumen stehen Tische eines Parkcafes. Nur zwei Menschen sitzen draußen. Durch das halb offene Fenster drängen Kastanienblätter in das Zimmer hinein. Ein lauwarmer Sommermorgen ist in dem Bild. Es wurde 1936 oder 1937 gezeichnet. Es ist ein impressionistisches Bild, flott und gekonnt mit Pastellkreiden in feinsten Tönen ausgeführt - melancholisch zwar, aber eine Idylle. Unten rechts ist es mit fb signiert. Friedl Brandeis.

Das Bild gehört dem Jüdischen Museum in Prag. Davor gehörte es Josef Vavricka, einem tschechischen Kleiderhändler in Hronov. "Im Winter 1942 kam Friedl in mein Geschäft und sagte: ,Hitler lädt mich zum Rendezvous ein, haben Sie vielleicht etwas Warmes?' Ich gab ihr einen grauen Mantel, warm und wetterfest. Ich sagte ihr, ich will nichts dafür, wirklich nichts! Aber sie brachte mir ein Bild, ,Aussicht aus dem Fenster im Franzensbad'. So ein Bild für einen Mantel! Und sie sagte: ,Dieses Bild habe ich in nur einer Stunde gemalt, für einen


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