Stadtrand: Kussverbot

Stadtleben | aus FALTER 44/99 vom 03.11.1999

Viennale war - ganz tolle Filme, tolle Filme und gute Filme. Bleiben wir kurz bei einem ganz tollen. Von der Leinwand in den Zuschauerraum strahlt eine Brise französischer Film: große Gefühle, feine Dialoge und wunderbarer Herzschmerz. When boy meets girl. Eine zarte Liebe entspinnt sich, bloß kein Detail übersehen jetzt, volle Konzentration auf die Leinwand. Herzbube und -dame reden schüchtern miteinander, beide tasten sich Millimeter für Millimeter vor, sollen wir uns etwa küssen? Nur einen ersten zarten Kuss? Sollen wir etwa - dann ein Filmriss. Die schmusen ja wildest aufeinander ein, die beiden in der Sitzreihe vor einem, laut schmatzend und schmachtend hampeln sie in ihren Sitzen, können gar nicht genug voneinander bekommen. Der Film läuft weiter, auf der Leinwand geht es immer noch sachte zu, doch vor einem herrscht Hochtemperatur. Der Film ist jetzt gelaufen. Köpfe auseinander, jetzt wieder ein unentwirrbarer Haarknäuel, kurze Ruhepause, neue Attacke. Küsser und Küsserin sind zudem beide Brillenträger, strahlt von der Leinwand viel Licht (wir erinnern uns vage: großes Gefühl), spiegelt es sich unruhig herumtänzelnd in den Gläsern der Vorderreihe.

Liebe Viennale-Macher: Verkauft im nächsten Jahr rauhe Mengen an Popcorn und literweise Cola. Bitte. wop


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