"Tierische Laute"

Justiz Ein medizinisches Gutachten belegt: Nicht "ausschließlich" das Verkleben, sondern auch eine Herzschwäche, eine Lungenembolie und die "Modalitäten der gegenständlichen Abschiebung" führten zum Tod des Marcus Omofuma. Wird die Justiz die Fremdenpolizisten nun freisprechen?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Vassil I., Bordfunker bei der Balkan Air, konnte sich genau erinnern: "Omofoma hat Laute von sich gegeben, weshalb zusätzliche Klebebänder um dessen Mund angebracht wurden." Insgesamt vier Schichten. Um den Körper wurden Textilgurte geschnallt, die Brust wurde mit einem Gummiseil festgebunden. Es nützte nichts: "In weiterer Folge", so schildert der Funker, "beobachtete ich, dass Omofuma irgendein Rituallied vor sich her sang." Der Akt vermerkt: "Er springt, tobt und gab tierische Laute von sich."

Kurz vor der Landung "tobte" Marcus Omofuma nicht mehr. Nach der Landung, so das Protokoll, sei "die Chefstewardess in die Küche gekommen, um von der Bordapotheke eine Schere zu holen", damit man "das Klebeband vom Mund des Negers abnehmen" könnte. "Sie nahm auch eine Puderdose mit einem Spiegel mit, um zu prüfen, ob er noch atmete." Kurze Zeit später traf ein Arzt an Bord ein. Totenflecken waren bereits sichtbar. "Unter den Achseln", so diktierte der Arzt, "konnte man noch Wärme spüren."


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