"High sein, frei sein"

Demonstrationskultur Jedem Jahrzehnt seine Demonstranten: Nach den Autonomisten, Bürgerbewegten und Neoromantikern gehört die Straße nun den karnevalesken Realisten.

Politik | Siegfried Mattl | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Plötzlich tauchten sie aus den U-Bahn-Aufgängen am Stephansplatz auf, die rund 400 Punks, Hausbesetzer, ARENAuten und anderen Freaks (oder was man in Wien damals darunter verstand). Sie skandierten lose Sprüche wie "High sein, frei sein, Terror muss dabei sein", setzten sich auf den Asphalt, um plötzlich wieder aufzuspringen und zu den Häusern des Bauspekulanten Kallinger am Judenplatz zu stürmen. Eine Stunde lang narrten sie die Polizei, ehe diese die Demonstranten beim Lugeck zernieren konnte. Ein paar Steine flogen noch gegen die dortige Filiale des Textilunternehmens Schöps, dann schlug das Imperium zurück: 97 Verhaftete, zahlreiche Verletzte, willkürlich verprügelte Zuseher. Wegen "Teilnahme an einer illegalen Demonstration", "Erregung öffentlichen Ärgernisses" und "ungestümen Verhaltens" setzte es Verwaltungsstrafen zwischen 1000 und 3500 Schillingen. Verwirrung bei Gegnern ("von Ausländern infiltrierte und gesteuerte Wahnsinnige") und Sympathisanten ("Fehlen einer politischen


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