Vorreiter Hinkebein

Essay Die Linke hat in ihrem Drang zur politischen Mitte das Wesen des Politischen vergessen. Der Preis für ihre Konsensualpolitik war der Aufstieg des Rechtspopulismus. Kann sie sich in Österreich neu erfinden?

Politik | Chantal Mouffe | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Seit dem guten Ergebnis von Jörg Haiders FPÖ am 3. Oktober waren die meisten Kommentare in der internationalen Presse entweder alarmistisch oder schrecklich herablassend. Einige Journalisten stellten den Erfolg der FPÖ als Beginn einer neuen Welle des europäischen Faschismus dar und läuteten die Alarmglocken: Seid wachsam gegen eine mögliche Rückkehr der Seuche! Andere nahmen es eher phlegmatisch auf. Ein solcher Erfolg sei eben nicht anders zu erwarten in einem Land, das nie wirklich "entnazifiziert" worden sei. Man erinnere sich, meinten die Kommentatoren, an die Unterstützung der Bevölkerung für Kurt Waldheim. Es gebe keinen Grund zur Aufregung. So etwas könne hier, wo wir alle zivilisierte Menschen sind, nie passieren.

Diese scheinbar widersprüchlichen Ansichten haben einen gemeinsamen Nenner. Es sind in erster Linie moralisierende Reaktionen. Was sie unterstreichen, ist der inhärent böse Charakter der extremen Rechten und die Bedrohung, die sie für unsere rationalen,


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