Bedient: Bauch des Polizisten

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Diese Woche beginnt der Prozess gegen jene Detektive und Polizisten, die mit geheimen Daten gehandelt haben sollen. Gegen ein paar Hunderter, so die Anklage, lässt sich da schon eine Meldeadresse schneller bekommen als über den mühsamen Amtsweg. Man kennt sich ja und arbeitet an derselben Front. Eine seltsame Allianz zwischen privaten und staatlichen Fahndern hat auch Herr Karsten beobachtet. Mariahilfer Straße, eine Parfümeriekette. Vier polnische Ladendiebe werden von einem Privatdetektiv gestellt. Es kommt zum Handgemenge, drei Polen flüchten, einer wird gefasst. Der Privatdetektiv tritt - unter "Scheißausländer" rufendem Publikum - in Aktion: Er zieht Handschellen aus der Tasche und fesselt den Dieb, der mittlerweile ohne T-Shirt dasteht. Soll sein. "Als er sich nicht mehr gewehrt hat, hat ihm der Detektiv noch mit der Faust ins Genick und seinen Kopf gegen die Scheiben geschlagen", erzählt Karsten. Jetzt wirds strafbar. Die Polizei trifft ein. Karsten will den Detektiv wegen seines Exzesses anzeigen. Der Polizist verweigert das Protokoll: "Glauben S', i hab a Schreibmaschin uman Bauch?" Er möge aufs Kommissariat kommen. Am Kommissariat lässt man den Zeugen mehrere Stunden warten. Inzwischen trifft der Detektiv ein und wird höflich begrüßt. Karsten sitzt noch immer da und wartet aufs Protokoll. "Gehen S' einmal eine Stunde frische Luft schnappen", sagt der Beamte nach drei Stunden. Karsten kommt wieder. Nach sechs Stunden Warten ist es ihm gelungen, ein zweiseitiges Protokoll gegen einen Privatdetektiv zu diktieren. "Ich unterstelle der Polizei", sagt Karsten, "mit dieser Gängelei eine gewisse Absicht."

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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