Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Lange vor den Werbespots, die heute das Programm eröffnen, waren die Aktualitäten ein fixer Bestandteil des Kinoerlebnisses - bevor das Fernsehen die Funktion übernahm, Nachrichten und Vermischtes aus aller Welt in aller Kürze zu übertragen, und dem Kino vor allem die (ausgewiesenen) Fiktionen als Hauptattraktion blieben. Auch das Nachkriegs-Österreich hatte seine "Austria Wochenschau", die 1949 mit der Genehmigung der vier Besatzungsmächte eingerichtet und erst 1994, nach mehreren Überarbeitungen, endgültig eingestellt wurde.

Das Filmarchiv Austria hat nun, nach Zusammenlegung der gesammelten Wochenschauen (rund 3300 Ausgaben zu je rund acht Minuten auf 35-mm-Material), mit deren Auswertung begonnen. Unter dem Titel "Chronograph von Wirklichkeiten. 50 Jahre Austria Wochenschau 1949-1999" gibt es zum fünfzigsten Jahrestag der Wochenschau-Premiere einen ersten Nonstop-Einblick in diese filmische Landeschronik. Deren Status als historisches Dokument liegt heute weniger in ihrem dokumentarischen Charakter als viel mehr in der Veranschaulichung der hier angewandten Formen von Wirklichkeitsinszenierung und der Propaganda-Funktion, die den "Österreich-Bildern" und "Weltbildern" zukam.

Der Wiener Filmemacher Fridolin Schönwiese hat ausgewählte Wochenschau-Tonspuren als "Optical ... sounds" zu einem Programmteil zusammengestellt. So werden - eine weitere Ebene der Inszenierung - ein ganz eigener Tonfall, Stimmen, Sprechweisen und Sprechergenerationen, von ihrem bildlichen Zusammenhang entbunden, umso deutlicher hörbar. Die Veranstaltung des Filmarchivs Austria findet am Donnerstag, 11.11., von 10 bis 24 Uhr im Elite-Kino in der Wollzeile statt. Die "Optical ... sounds" werden ebendort und außerdem am 14.11. um 22 Uhr im Ö1-Kunstradio zu hören sein.


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