Leichte Schläge mit der linken Hand

Geburtstag Der deutsche Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber Hans Magnus Enzensberger, legitimer Erbe von Brentano und Diderot, Brecht und Benn, wird 70. Eine Würdigung.

Kultur | Armin Thurnher | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Immer, wenn öffentlich diskutiert wird im Land, fällt der Mangel schmerzlich ins Auge. So einen könnten wir jetzt gut brauchen. Einen, dessen Argumente im gesamten Sprachraum und weit darüber hinaus tragen, weil er bei seinen Interventionen niemals Diskreditierung oder eitle Selbstausstellung, sondern stets die Schaffung einer neuen Perspektive im Sinn hat. Natürlich gehört der provokative Mehrwert stets zu den Zwecken eines schriftstellerischen Auftritts in der Öffentlichkeit, aber das Spiel um die Aufmerksamkeit will gekonnt sein. Keiner spielt es eleganter als Hans Magnus Enzensberger. Grazil und treffsicher schlägt er seine Volten, unnachahmlich erfüllt er die Forderung Walter Benjamins, die entscheidenden Schläge seien mit der linken Hand zu führen, also mit Leichtigkeit und unberechenbarer Nonchalance.

Selbst wenn ein Stoß danebengeht, wie der "an den Schnurrbarthaaren herbeigezogene" (Peter Rühmkorf) Vergleich zwischen Saddam Hussein und Hitler, leuchtet noch im Danebenhauen


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