Aufgeblättert

Kultur | Wolfgang Paterno | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Über Gott und die Welt reden - was genau mit dieser Redewendung gemeint ist, ist in "Windy erzählt", dem neuen Buch von Lars Gustafsson, nachzulesen. Zuerst heisst es Platz nehmen: In Windys Frisiersalon sitzt gerade der Herr Professor und bekommt einen neuen Haarschnitt, Windy wuselt hinter dessen Rücken umher, schneidet dem Professor die Nacken- und Stirnhaare und brennt ihm möglicherweise mit ihrem Dauergerede den Nackenspeck weg. Die Sitzung mit dem Professor dauert das ganze Buch lang, nicht einmal kommt dieser dabei zu Wort. Windy schneidet und redet und redet und redet: über ihren Ehemann, der wegen Brattfett-Diebstahls verknackt wurde, über Bücher mit Titeln wie "Geh leise! Sprich nicht mit den Fliegen" (des Dichters Kopf hat sie schon frisiert), über Dinge, die sie vom Hörensagen oder aus dem Discovery-Channel kennt. Manchmal unterbricht sie sich in ihrem verbalen Geplätscher gleichsam selber, wenn sie beispielsweise fragt: "Glauben Sie denn, die Welt wird besser, wenn


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