Stadtrand: Taxler!

Stadtleben | aus FALTER 45/99 vom 10.11.1999

Natürlich ist es abgeschmackt, über Taxler zu schimpfen. Natürlich hat das ungefähr so viel Wirkung, wie wenn man die Existenz der Sommerzeit kritisiert. Natürlich werden sich manche Dinge in dieser Stadt einfach nie ändern.

Aber trotzdem.

Das durchschnittliche Klima auf Wiens Straßen ist gekennzeichnet von Aggression, Unreife und Imponiergehabe. Und wenigstens zum Aggressionspegel tragen die Taxler einiges bei.

Ist ein Taxi in der Nähe, darf man sich als normalsterblicher Verkehrsteilnehmer nicht einmal die kleinste Unkorrektheit erlauben. Taxler hupen bereits, wenn man es wagt, bei Gelb nicht mehr über die Kreuzung zu fahren, wenn man bei Grünblinken noch die Ferse am Zebrastreifen hat oder gar bei Rot nasenbohrt.

Taxipiloten hingegen ist nichts verboten. Die halten Ampelfarben prinzipiell für Richtwerte, sehen nicht ein, wieso sie beim Abbiegen auf etwaigen Fußgänger- oder Fahrradquerverkehr achten sollten - und die Existenz von Geschwindigkeitsbegrenzungen halten die meisten ohnehin für ein Gerücht.

Natürlich gibt es auch die alten, souveränen, erfahrenen Taxler, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber vielleicht könnten sich auch die anderen hin und wieder als Vorbilder des Straßenverkehrs vorkommen. Das färbt vielleicht auf all die Arschlöcher in Autos ab. S. N.


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