Symbolischer Etappensieg

Nachbetrachtung Ein paar Lehren aus dem 12. November. Anmerkungen zu einer überraschend erfrischenden Kundgebung.

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Man muss Vergleiche ziehen. Am 1. Oktober hatte Jörg Haider zu seiner Abschlussveranstaltung auf den Stock-im-Eisen-Platz gerufen, ein paar tausend Menschen waren gekommen. Von diesen paar Tausend waren etwa die Hälfte Anti-Haider-Manifestanten und die andere Hälfte neugierige bis besorgte Wiener, die sich den Popstar des feschistischen Ressentiments einmal aus der Nähe besehen wollten. Am 12. November waren mehr als zehnmal so viel Menschen gekommen; die Organisatoren hatten den gleichen Platz gewählt, um genau diesen Vergleich ziehen zu können. Der Vergleich machte sie sicher: Es waren mindestens siebzigtausend Leute, die sich friedlich am Platz der Schande eingefunden hatten, wo sechs Wochen zuvor der freiheitliche Mob auf Hooligan-Art "Hier regiert die FPÖ" skandiert hatte.

Ein Ritual. Es war eine Art Reinigungsritual, das da stattfand. Die Mehrzahl der Leute waren gekommen, um durch ihre schiere Präsenz und durch ihre Überzahl den Platz von der Aura des haiderschen Auftritts


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