Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Der kurze Winter des Kommunismus begann bekanntlich 1917 und endete, als Lenins Bolschewiken das Proletariat zur diktatorischen Kraft erklärten. Schon in den Zwanzigern hätten die Linken unter den Intellektuellen besser erkannt, dass auch diese Revolution ihre Kinder fressen würde. Der Ökonom und Schriftsteller Franz Jung etwa musste 1923 nach zwei Jahren Aufbauhilfe aus der Sowjetunion fliehen. Freunde warnten ihn vor der drohenden Verhaftung. An Franz Jung lässt sich der Verrat der Realsozialisten am kommunistischen Freiheitsideal personifizieren. Schon deshalb erkannten die Oppositionellen vom Ostberliner Prenzlauer Berg um Bert Papenfuß in ihm einen geistigen Verwandten. Bereits zu DDR-Zeiten, versteht sich. Jung gründete 1931 die Zeitschrift "Gegner". Papenfuß und Co haben sie als ihren Beitrag zum zehnten Jahrestags des Mauerfalls wieder belebt. Ein doppelt anachronistisches Unterfangen mit Qualität. Die neue Monatsschrift bietet literarischen Könnern unter den Antikapitalisten


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