Fluchtpunkt Kairo

Dokumentarfilm "Ein flüchtiger Zug nach dem Orient" von Ruth Beckermann reist auf den Spuren von Kaiserin Elisabeth in eine doppelte Fremde: nach Ägypten und in die Vergangenheit.

Kultur | Vrääth Öhner | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Wir reisen, so viel ich weiß, nicht zu unserem Vergnügen. Wir sind blöd, aber so blöd sind wir nun doch wieder nicht." Die Bemerkung stammt zwar von Samuel Beckett, aber die Kaiserin Elisabeth von Österreich (ja, genau die Sissi aus den Romy-Schneider-Filmen, aus dem Musical und von den Schokotalern) beziehungsweise auch die Filmemacherin Ruth Beckermann hätten ihr wohl zugestimmt. Man darf sich in dieser Frage keiner Illusion hingeben: Das Konzept der Bildungsreise, der Grand Tour, verschwindet mit dem 19. Jahrhundert. Seither geht es beim Reisen weniger um das neugierige Entdecken von Unbekanntem, sondern eher darum, Altes wenigstens zeitweilig hinter sich zu lassen. Reisen heißt immer auch, vor etwas auf der Flucht sein, das man nicht loswerden wird.

Auf der Flucht war Sissi etwa vor dem Drängen des Gatten, den repräsentativen Pflichten einer Monarchinnenexistenz, der Geheimpolizei, den Schaulustigen. Auf der Flucht aber war sie auch vor dem Bild, das sie sich selbst und das


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