Dramolett: Die Intellektuellenvermisser

Kultur | Antonio Fian | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

(Wien, Mitte Oktober 1999. Ein Innenstadtkaffeehaus. An einem der Tische zwei Herren mittleren Alters, Zeitung lesend. Auf dem Tisch Zeitungen und Bücher. Ein Achtel Rot. Ein Kamillentee.)

DER ERSTE (legt die Zeitung weg. Seufzend): Die Tragik ist, dass wir keine Intellektuellen haben. Der Einzige, der hin und wieder die Goschen aufreißt, ist der Menasse. Aber der ist ein gscheiter Bursch. Wie er zum Beispiel den Haider einerseits als Austrofaschisten aufblattelt und andererseits nachweist, dass er ein neuer Linker ist, das hat eine Dialektik.

DER ZWEITE: Politisch ist das auf lange Sicht ziemlich kurzsichtig. Ein Liberaler müssert er sein, der Haider.

DER ERSTE: Er ist aber kein Liberaler.

DER ZWEITE: Na und? Behaupten hätte man es müssen! Genau dazu hätten wir die Intellektuellen gebraucht. Wenn man die Leute dazu bringt, dass sie den Haider für einen Liberalen halten, ist die FPÖ in drei Jahren eine Pimperlpartei.

DER ERSTE: Trotzdem. Seien wir froh, dass wir wenigstens den Menasse


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