Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Diese Woche neu: zwei Uraufführungen von Frauen über Frauen, wobei jeweils Mutter-Tochter-Beziehungen im Zentrum stehen. Die Väter? Entweder tot oder verschwunden. Jedenfalls unzuverlässig. Beinahe zum Erbarmen. Wie der Protagonist in "Vor lauter Freiheit kein Erbarmen", der von seiner Frau Laura um den Verstand gebracht und in den Tod getrieben wird. Margit Mezgolich, Autorin und Regisseurin, hat August Strindbergs Stück "Der Vater" bearbeitet und die Vatervernichtungsgeschichte in die Gegenwart verlegt. Tochter Bertha besucht an ihrem 30. Geburtstag das leer stehende Elternhaus und erinnert sich an ihre Kindheit. Zu sehen ist eine Satire auf die vermeintliche Freiheit der Siebziger, inszeniert mit einer Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist. Das Bühnenbild (Gudrun Lenk) versetzt die Figuren regelmäßig in prekäre Lagen, die sie mit Komik meistern. Die Bühne im dietheater Konzerthaus ist ein riesiges Matratzenlager, das slapstickartige Begegnungen mit ungewöhnlichen Auf- und Abtritten ermöglicht: Die Figuren tauchen zwischen Polstern und Decken auf und verschwinden wieder. Mal schaut ein Kopf hervor, dann bekommt eine Figur plötzlich vier Füße, oder ein Oberkörper singt mit einem fremden Arm ein Duett. In der Produktion des L.U.S.Theaters gewinnt das Wort "bettlägerig" mimetische Bedeutung.

Ganz und gar unkomisch ist die Satire "Afrika" von Elisabeth Reichart in der Drachengasse (Bar&Co) geraten. Drei Generationen von Frauen (Mutter, Tochter, Enkeltochter) werden durch den unerwarteten Besuch des totgeglaubten Vaters aus ihrem Alltag gerissen: "Wenn ein Mann verschwindet, sollte das für immer sein. Ein bisschen Sicherheit braucht jede Frau." Die Sicherheit gerät ins Wanken, nicht nur der Mann ist wieder da, auch seine neue Familie, die er in Afrika gegründet hat, begleitet ihn. Bei dem Treffen geht es um Ängste und Vorurteile der Frauen. Das ist gut gemeint und bemüht, geht aber ziemlich steif über die Bühne.


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