Stadtrand: Fensterplatz

Stadtleben | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Schaufensterbummeln, das behaupten zumindest jene, die London, Mailand oder Manhattan besser kennen, Schaufensterbummeln ist in Wien eine ziemlich fade Angelegenheit. Nicht nur, weil diese Stadt mit Großkaufhäusern so ihre Probleme hat (und damit verbunden gute Fensterplätze relativ selten sind), sondern vor allem, weil den österreichischen Dekorationskünstlern anscheinend nicht viel mehr einfällt, als Plastikpuppen an- und wieder auszuziehen und ihnen vielleicht hin und wieder die Frisur umzustylen. Von wilden Inszenierungen hinter Glas, aufregender Lichtgestaltung oder ästhetischer Klarheit hat man hierzustadt noch nicht viel gehört und gesehen. Die alljährliche Parade animierter Plüschtiere zu Weihnachten bei Gerngross ist da bereits das höchste der Gefühle. Immerhin startete das Kaufhaus - gemeinsam mit dem Wäschehersteller P2 - vergangene Woche einen Versuch: Die Auslage wurde zum Laufsteg, und gelangweilt blickende Girls und Boys führten vor, was man jetzt so drunter trägt. Nämlich fast gar nichts. Was wiederum die versammelte Passantenmenge auf der anderen Scheibenseite zu wildem "Ausziehn"-Gejohle veranlasste. Vielleicht ist man ja hier schaufenstermäßig einfach (noch) nicht reif für mehr als angezogene Plastikpuppen. C. W.


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