Kino statt Kloster

Veranstaltungsraum Das Schikaneder-Kino hat sich von einem kleinen Programmkino zu einer Keimzelle für Film, Kunst und Performance entwickelt. Inzwischen ist es sogar finanziell schon über den Berg erfreulicherweise.

Stadtleben | Sigrid Neudecker | aus FALTER 46/99 vom 17.11.1999

Das Loch in der Wand, zum Beispiel. Johannes ist es ein Dorn im Auge. Markus sagt, dass ohnehin bald die Handwerker kommen. Und Florian findet, dass solche Details erst den Reiz des Schikaneder ausmachen.

Ein Loch in der Wand charakterisiert das ganze Schikaneder-Kino: 1906 wurde es von jüdischen Besitzern erbaut, die während des Dritten Reiches enteignet wurden. Seit Jänner 1996 ist es im Umbau, im Umbruch begriffen. Äußerlich wie innerlich. Aus einem braven Wiener Kleinkino wird ein Kommunikationszentrum, wo schon mal jüdische Holocaust-Opfer auf nackte Performance-Künstlerinnen treffen. Aus einem (schönen) altmodischen Kino wird ein (designtes) neumodisches In-Lokal, das das Kino als primäres Lockmittel schon fast nicht mehr nötig hat. Dass die Menschen, die "nur" ins Lokal kommen, in Wirklichkeit das Kino riechen, merken sie vermutlich gar nicht.

Das Loch in der Wand charakterisiert auch die Schikaneder-Betreiber: Johannes Wegenstein, der das Kino 1996 mit nur einem Monat Unterbrechung


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