Diktatur der Dilettanten

Kommentar Die FPÖ erhält den Vorsitz im Kulturausschuss. Über die neue Diktatur der Dilettanten.

Gerhard Ruiss | Vorwort | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Seit Jahren werden kulturpolitische Spitzenfunktionen not- oder nebenbei besetzt. Unbekannt bleibt, nach welchen fachlichen Kriterien. Das gilt genauso für den Bund wie für die Länder. Die Kunst- und Kulturszene bekommt es mit Anlernkräften und Nebenherkulturpolitikern zu tun, die ihr entweder hilflos gegenüberstehen oder sie als Aufputz ihrer sonstigen politischen Aufgaben betrachten.

Ein Jurist, der sich Bilder prominenter Gegenwartskünstler leisten kann, eine Ärztin mit Kulturinteresse gelten als befähigt, den Vorsitz und die Vorsitz-Stellvertretung im parlamentarischen Kulturausschuss zu übernehmen, ein hobbysportelnder Landeshauptmann mit Zeitmangel für seine Landeshauptmanntätigkeit hält sich für imstande, sowohl die Funktion eines Landeshauptmanns als auch die Funktion eines Landeskulturreferenten zu bewältigen.

Im kulturpolitischen Dilettantismus ist alles erlaubt. Im kulturpolitischen Dilettantismus darf jeder und jede seine oder ihre Ahnungslosigkeit unter der künstlerischen

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