Hunger im Herzen

Porträt Die SPÖ hat nie auf ihn gehört und ihn nie etwas werden lassen. Doch Bruno Aigner, ewiger Sekretär und ewiger Querdenker in einer Person, gibt nicht auf.

Politik | Gerald John | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Es waren die Fahnen, die den kleinen Bruno schwer beeindruckten. Tiefrot waren sie, mit drei weißen Pfeilen über einem Kreis. Die Arbeiter der Böhlerwerke trugen sie vom Bahnhof bis vors Rathaus des niederösterreichischen Städtchens Waidhofen an der Ybbs. Mitten unterm Proletariat marschierte mit leuchtenden Augen Bruno Aigner an der Hand seiner Mutter. Für den jungen Buben kein gewöhnlicher Umzug, sondern ein sakrales Ereignis, wie ein Kirchgang.

Die euphorischen Maikundgebungen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren prägen Bruno Aigner immer noch. Einerseits ist die Treue des heute 56-jährigen zur SPÖ ungebrochen. Andererseits hat er bei den Arbeiteraufmärschen seiner Kindheit irgendwann einmal geschnallt, dass man an Ritualen auch ersticken kann. Das versucht Bruno Aigner, Mitarbeiter von Nationalratspräsident Heinz Fischer, besser aber bekannt als Querdenker der SPÖ, seiner Partei seit bald drei Jahrzehnten stets dann beizubringen, wenn es dieser schlecht geht. Also oft.


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