Bedient: Sonntags Arbeit

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Das Meldeamt Brigittenau liegt in der Pappenheimgasse. Lange Flurfluchten. Tiefe Karteikästen mit abgewetzten Aluminiumgriffen. Aus ihnen lugen Abertausende Meldezettel. Davor so genannte "Meldebeamte", die unentwegt die "Berichtigung der Meldedaten" vornehmen. Hier arbeitet auch ein Beamter mit dem Namen Sonntag. Er wurde offenbar beauftragt, die Lade mit der Aufschrift "E" zu "berichtigen". Im Zuge seiner Arbeit stößt er auf Frau E., eine 60-jährige Frau aus dem steirischen St. Johann an der Haide. Frau E. lebt schon lange nicht mehr in Wien. Sie ist eine geborene Brigittenauerin und meldete sich Ende der Fünfzigerjahre aus der elterlichen Wohnung in der Wiener Greiseneckergasse ab. Irgendwie hat das Amt diesen Meldezettel verschlampt. Beamter Sonntag nimmt daher einen Bogen Papier und setzt die Aktenzahl MA/LK darauf: "Sehr geehrte Frau E.! Wir ersuchen Sie in unser Amt zu kommen oder einen Vertreter zu entsenden. Dieser muss mit der Sachlage vertraut sein, voll handlungsfähig und bevollmächtigt sein." Frau E., eine Pensionistin, möge bitte von der Steiermark nach "Wien 20, Pappenheimgasse 33/ Parterre/Zimmer 9 - Meldeamt" reisen, um an der "Berichtigung Ihrer Meldedaten" mitzuwirken. Unter anderem, so Sonntag, möge sie folgende Unterlagen mitbringen: "den Meldezettel vom 23.9.1959", mit dem sie sich vor 40 Jahren abgemeldet hat. "Mit freundlichen Grüßen". "Ich schlage vor", so der der Liberale Marco Smoliner, der auf den Fall gestoßen ist, "stattdessen jenen Beamten niederschriftlich einzuvernehmen, der 1959 die Abmeldung entgegengenommen hat." Falls er noch lebt.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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