Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Dass die vergangene Theaterwoche im Akademietheater (siehe Kommentar auf Seite 19) ein schlimmes Ende nahm, war insofern stimmig, als sie auch nicht gut begonnen hatte. Im Theater Gruppe 80 setzte der frühere Tabori-Schauspieler Klaus Fischer seinen vergangene Spielzeit mit Musils "Schwärmern" gerade erst erworbenen Ruf als Regisseur aufs Spiel, indem er Hans Magnus Enzensbergers "Der Untergang der Titanic" inszenierte. In seinem Gedichtzyklus verknüpft Enzensberger die legendäre Schiffskatastrophe mit anderen apokalyptischen Szenarien und persönlichen Erinnerungen; die "Komödie" in 33 "Gesängen" ist ein hochkomplexes poetisches System, das sich fürs Theater nicht unmittelbar aufdrängt. Wer es inszenieren will, muss schon eine ziemlich starke szenische Vision dafür erfinden. Dass es nicht genügt, den Text ein wenig durcheinander zu mischen und auf fünf Schauspieler zu verteilen, beweist die Aufführung in der Gruppe 80 eindringlich: So trocken ist schon lange kein Schiff mehr untergegangen.

Was ist Glück? Wenn die gute Fee kommt und einem drei Wünsche freistellt. Pech ist, wenn einem dann nichts einfällt. Oder wenn man gerade gefesselt und geknebelt ist und seine Wünsche daher nicht artikulieren kann. In einem Alten Kino in der Nähe des Franz-Josefs-Bahnhofs zeigt Drama Wien seine neue Produktion "Extrabreit - Ein Stück vom Glück". Das Markenzeichen der sympathischen Gruppe ist es, dass ihre Stücke wie Assoziationsübungen entstehen: Man stellt sich ein Thema und erfindet dann szenische Lösungen dafür. Das grundsätzliche Problem der Methode ist, dass sie schon beim zweiten Mal deutlich an Reiz verliert. Das konkrete Problem des aktuellen Abends ist, dass dem dreiköpfigen Ensemble zum Thema Glück nicht allzu viel eingefallen ist. Aus gegebenem Anlass bekommt jeder Zuschauer ein Glückskeks geschenkt; in meinem fand ich eine Botschaft, die nicht nur für das Theater, sondern für die Kunst ganz allgemein nur bedingt Gültigkeit hat: "Wollen ist Können."


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