Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Simon West, der sich schon als Regisseur des extrem dumpfbackigen Schnellschnitt-Spektakels "Con Air" nicht eben sehr in unsere Herzen inszenierte, hat nun bei einem Army-Thriller Regie geführt, den wir ebenfalls nicht unbedingt benötigt hätten. John Travolta wird in "Wehrlos - Die Tochter des Generals" im tiefen Süden der USA als Ermittler in den eigenen Reihen tätig, nachdem eine junge, natürlich attraktive Elite-Offizierin Opfer eines Ritualmords geworden ist. Die Perfidie hinter diesem Kräftemessen zwischen Männern (pardon: Assistentin Madeleine Stowe darf einmal eigenmächtig handeln, ansonsten markiert sie aber nur den wunden Punkt ihres Partners) ist, dass das Mordopfer allmählich als Fädenzieherin hinter ihrer eigenen Ermordung erscheint. Und der Film darf unter dem Vorwand der sachdienlichen Aufklärung ihr traumatisch belastetes Inneres (natürlich samt Sado-Maso-Fantasien) nach außen kehren. Das Bild vom Tatort, mit der auf aufgeweichtem Boden zwischen Pflöcke gespannten, nackten Frauenleiche, ist insofern bezeichnend, als für tote Frauen die ansonsten für Hollywood-Mainstream verbindliche Schamgrenze nicht eingehalten werden muss. Vor allem dann nicht, wenn "Söhne" so richtig nachhaltig gegen väterliche Autoritäten aufbegehren wollen, und somit ohnehin der guten Sache dienen. Da muss man Opfer bringen. Anschauen muss man es sich aber nicht.

Das Filmarchiv Austria legt momentan und noch bis 5. Dezember eine weitere Sonderschau vor, die im Imperial-Kino unter dem kämpferischen Motto "Film ist Comics" in einem filmhistorischen Rundumschlag - von den Anfängen bis in die Neunziger bzw. "Von Lumiere bis Manga" - eine Reihe von Belegexemplaren zeigt. Besonders verwiesen sei auf die Doppel-Reprise von "Ghost in the Shell" und "Akira" am 29.11. (auch neue Mangas nähmen wir im übrigen gerne, liebe Verleiher) sowie das Robert-Crumb-Special tags darauf.


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