Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

Weihnachten 1938 begann an der Küste Südafrikas das letzte Märchen der Zoologie. Es handelt von einem Fisch, der als seit 70 Millionen Jahren ausgestorben galt - bis ein fangfrisches Exemplar im Museum von East London abgeliefert wurde. Die Erforschung der auferstandenen Spezies verlief chaotisch, weiß die britische Journalistin Samantha Weinberg in "Der Quastenflosser" zu erzählen, schließlich waren alle wichtigen Beteiligten Exzentriker. J.L.B. Smith zum Beispiel hetzte 14 Jahre lang die Ostküste Afrikas entlang, ehe endlich Exemplar Nr. 2 auftauchte. Hans Fricke, ein weiterer Besessener, türmte 1961 aus der DDR, weil er davon ausging, der sozialistische Staat hindere seinen Forscherdrang. Zu Recht. Was hätte der DDR ein Quastenflosser bedeuten sollen? Fricke investierte Millionen in die Konstruktion eines speziell für die Beobachtung des lebenden Fossils zugeschnittenen U-Bootes. Als damit 1987 die ersten Filmaufnahmen gelangen, war er bereits entnervt nach Europa zurückgekehrt.


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