Unterfutter von Schmerz

Literatur Die Lyrik ist tot, es lebe die Lyrik: Heidi Pataki balanciert in ihrem jüngsten Gedichtband souverän zwischen Schmerz, Ironie und tieferer Bedeutung.

Kultur | Erich Klein | aus FALTER 47/99 vom 24.11.1999

O alles scheisst auf dichtung." Der rabiate Fluch aus "jeremiade" findet sich in Heidi Patakis Gedichtband "amok und koma". Die sechsundfünfzig Gedichte, Querschnitt durch zwei Jahrzehnte lyrischer Produktion, haben in ihrer stilistischen Vielfalt einen gemeinsamen Nenner: Dichten mit dem literarischen Zeitgeist gegen diesen. Amok und Koma, das Außer-Kontrolle-Geraten des Handelns und der nicht minder lebensbedrohende Bewusstseinsverlust stehen gleichsam symbolisch für den Anfang von Patakis Schreiben - die politisch engagierte Lyrik der Sechziger- und Siebzigerjahre. Dem Anspruch auf radikale Gesellschaftsveränderung folgte dessen Scheitern auf dem Fuß.

Dort, wo der Mangel an ästhetischem Verstand gewöhnlich durch politische Überzeugung wettgemacht wurde, hat sich Pataki, deren immer deutlicher zutage tretendes Formbewusstsein von Anfang an gegeben war, die Verfahren der experimentellen und der konkreten Poesie, der Montagetechnik et cetera angeeignet und für eigene Zwecke weiterentwickelt.


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