Sondier mal wieder!

Seinesgleichen geschieht Ich bin nicht ungeduldig. Ich hätte nur gern ein bisschen besseres politisches Theater.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

In verwirrten Zeiten, da das Publikum mit Inhalten geradezu bombardiert wird, da sich die Prinzipien biegen vor Lachen und die Standpunkte das Tanzen lernen, kurz in Nachwahlzeiten, in Zeiten vor einer Regierungsbildung, haben die Wörter Konjunktur. Bekanntlich sehen die umso ferner zurück, je länger man sie ansieht. Das Sondierungsgespräch, zum Beispiel. Was ist denn das, eine Sonde? Ein medizinisches Gerät zum Erkunden der Tiefe einer Wunde. Ein Mess- und Prüfgerät, das man auf den Meeresgrund senkt oder in den Weltraum schießt, weit weg, in unbekannte Gefilde, um sie zu untersuchen.

Unsere politischen Wunden brauchen nicht erkundet zu werden, Art und Tiefe sind bekannt; man kann allerdings in ihnen wühlen. Ein Sondierungsgespräch ist ein merkwürdiger Widerspruch in sich selbst. Das Gespräch als Form, das Gegensätzen die Annäherung ermöglicht, ein Beginn vom Ende der Feindschaft. Die Sonde hingegen als neutrales, chromblitzendes Instrument, keinem Argument zugänglich. Qual


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige