Verfeinerte Sitten

Kommentar Wie böse ist der Welthandel wirklich? Überlegungen zur WTO-Tagung in Seattle.

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

Für Montesquieu, den politischen Philosoph der französischen Aufklärung, stand die zivilisatorische Wirkung des freien Warenaustausches der Völker außer Frage: "Der Handel beseitigt zerstörerische Vorurteile", notiert der große Franzose in seinem "L'Esprit des lois". "Man kann fast die allgemein gültige Regel aufstellen, dass dort, wo Sitten und Gebräuche schmiegsam und fein sind, Handel betrieben wird. Und dass dort, wo gehandelt wird, Sitten und Gebräuche schmiegsam und fein sind."

Mike Moore, der umkämpfte Chef der Welthandelsorganisation WTO, hätte derartigen Zuspruch dringend nötig. Denn Freihandel ist unpopulärer denn je. Der kühne Plan, Zollbarrieren, die Völker und Volkswirtschaften trennen, weiter abzubauen, wird diese Woche in Seattle Zehntausende zur größten Protestkundgebung Nordamerikas seit den Zeiten der Vietnam-Solidaritätsbewegung versammeln. "The WTO kills people. Kill the WTO" lautet der kämpferische Slogan der Peoples Global Action.

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