Ein unmoralisches Angebot

Regierung Noch nie war eine schwarz-blaue Regierung so wahrscheinlich wie jetzt. Die FPÖ macht Wolfgang Schüssel heftige Avancen: Jörg Haider bot ihm den Kanzlersessel an. Was sich in Österreich verändern wird, wenn sich Schüssel draufsetzt.

Politik | Gerald John und Patrik Volf | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

Zarte Anspielungen, verschämte Komplimente oder sanftes Erröten spielen im Umgang zwischen ÖVP und FPÖ längst keine Rolle mehr. Die beiden sind fast schon beim Vorspiel angelangt: Die FPÖ brät auf Teufel komm raus - und die ÖVP flirtet hemmungslos mit. Aus ihren Sympathien macht die Umworbene kein Hehl. Von der SPÖ trennt sie Welten, von der FPÖ ein klein bisschen Skepsis und das nagende "Derf' ma denn das?" im oberen Rückenmark.

Um Wolfgang Schüssel von solch lästigem Zwicken abzulenken, dreht Jörg Haider eine rhetorische Pirouette nach der anderen. Das einst apodiktische "Nein" zur Osterweiterung steht nicht mehr, Kinderscheck und Flat-Tax zählen nicht mehr, Äußerungen zur NS-Zeit gibt es nicht mehr - bis auf Widerruf. Der Bär tanzt, und das Akkordeon quetscht dazu. Wird bereits der Hochzeitstanz geprobt? Wenn ja, wohin geht dann die Hochzeitsreise? "Das Problem ist, dass niemand weiß, was die FPÖ wirklich will", stellen sich Experten vom Ökonomen bis zum Soziologen,


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