Bedient

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

Loco regientisAnfang Oktober war Wien ein wenig genervt. Probealarm. Überall heulten die Sirenen. Nur nicht in der Nibelungengasse. Ein besorgter Bürger verfasst deshalb ein Schreiben an das Amt für Hilfs- und Sofortmaßnahmen: "Die Anrainer der Nibelungengasse haben die beim Probealarm emittierten Signale nicht vernommen. Ein Blick auf den vom Amt für Hilfs- und Sofortmaßnahmen publizierten Sirenenplan veranschaulicht diese Lücke deutlich." Das Amt reagierte prompt. Unter der Aktenzahl MDH-Z-184/99 schreibt ein Sachbearbeiter: "Die akustische Erreichbarkeit ist in weiten Teilen Wiens vorhanden. Es ist der ausführenden technischen Dienststelle bereits bekannt, dass im nordwestlichen Teil des Bezirkes die Zivilschutzsignale schlecht hörbar sind." Deshalb, so der Beamte, werde auf einem Objekt in der Löwelstraße im kommenden Jahr eine zusätzliche "pneumatische Zivilschutzsirene realisiert". - Der Bürger freute sich und schrieb: "Ja, ich bin richtiggehend enthusiasmiert, dass sie in der Löwelstraße eine pneumatische Zivilschutzsirene installieren wollen, und ersuche Sie, das Projekt in das Budget 1999 vorzuziehen." "Nach dem 3. Oktober", so der Bürger, müsse "jedes Mittel recht und bieder sein, um in loco regientis den ausländischen Schallzeichen eine Aufenthaltsberechtigung zu erteilen, preferibilimente im Dauerbetrieb." Doch ein Anliegen hätte der Bürger noch: "Nehmen Sie bitte die Straßenkarte zur Hand, und die Nibelungenstraße wird sich Ihnen nicht im nordwestlichen, sondern südwestlichen Teil Wiens darbieten." Aber "vielleicht verfügen politisch inspirierte Sirenen über größere Strahlkraft". In der Löwelstraße sitzt die SPÖ.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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