Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

Ein siebenjähriges Mädchen Mitte der Siebzigerjahre irgendwo in der österreichischen Provinz ("Die Frucht deines Leibes"). Teenager in der Disco ("Nachtschwalben"). Jugendliche vier Monate nach Kriegsende in Sarajevo ("Somewhere else"). Zwei Frauen um die zwanzig an der Wiener Peripherie ("Sonnenflecken"). Das sind einige der Protagonisten der Wiener Filmemacherin Barbara Albert. In der vergleichenden Zusammenschau dieser kurzen Erzählungen (und der Dokumentation "Somewhere else"), entstanden 1993 bis 98, lassen sich gewisse thematische und formale Charakteristika ausmachen - eine Vorliebe für die präzise Erkundung des Alltäglichen, für Existenzen in Randlagen und Übergangsstadien und für ein Erzählen, das primär mit Bildern und Montage arbeitet, aber nichtsdestotrotz auch auf differenzierte sprachliche Färbung achtet. Filmische Entwürfe von Realität, die Erfahrungen, Wunschvorstellungen und Träume beinhalten. So macht sich das Mädchen beispielsweise ein buntes Bild von Sexualität, das auf ihren Beobachtungen, auf Aufgeschnapptem und Undurchsichtigem, auf Verboten, beängstigenden wie begehrenswerten Vorstellungen beruht. Eindrücke, die sie für sich zu einer diffusen Glaubenslehre umgestaltet.

Das Filmcasino zeigt diese vier Filme am Sonntag, 5.12. und 12.12, in Anwesenheit der Regisseurin jeweils um 16 Uhr. Über "Nordrand", Barbara Alberts aktuellen Kinofilm, wurde in der Vorwoche im Falter bereits ausführlich berichtet. Falls Sie es aber immer noch nicht wissen: Es handelt sich dabei um einen der besten österreichischen Spielfilme der letzten Jahre. Kinostart ist diesen Freitag. Hingehen ist da wie dort Pflicht und Kür!

Film-Avantgardist Peter Kubelka, einer von zwei Begründern und amtierenden Direktoren des Österreichischen Filmmuseums, nimmt ebendort nach drei Jahren seinen "öffentlichen Unterricht" zum Thema "Was ist Film?" wieder auf. Erste Sitzung: Mittwoch, 1.12. Machen Sie sich auf ein breit angelegtes Erfahrungsspektrum zwischen Kino und Küche gefasst!


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