Willkommen daheim/Der Filialleiter: Quadratur der Knackwurst


Klaus Nüchtern
Stadtleben | aus FALTER 48/99 vom 01.12.1999

Wenn man sich das Unmögliche vorstellt, wenn man sich also ausmalt, dass Herr Touzimsky nicht seit 30 Jahren die Filiale vom Meinl am Graben leitet, dann könnte man ihn sich als Mittelschulprofessor denken, für Latein möglicherweise. Er würde auswendig Verse rezitieren, vielleicht sogar "Asterix" auf Lateinisch lesen lassen. Und er hätte vermutlich eher wenig Geduld mit Schülern, die über das Versmaß Vergils stolpern oder von Ovids "Metamorphosen" nicht wirklich enthusiasmiert sind.

Es ist gut, dass Herr Touzimsky kein Lehrer geworden ist. Gut für ihn, gut für den Meinl am Graben, gut für den Kunden, dem sich Herr Touzimsky widmet, kaum hat er sein winziges "Büro" verlassen. Einer alten Dame steht er für eine kleine Bier-Debatte zur Verfügung, an einer anderen Kundin führt er die mittlerweile rare Kunst des doppelhändigen Handkusses vor, wieder einer anderen wird mit gedämpfter Stimme ein Schmankerl avisiert, über das Herr Touzimsky nichts sagen will, "weil das jetzt sehr

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