Standpunkt: Schüssels Blech

Politik | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Das profil schien es schon bei Drucklegung vergangenen Freitag geahnt zu haben. Das Cover des Nachrichtenmagazins ziert das doppelte Porträt eines etwas duseligen Mannes, der Wolfgang Schüssel ziemlich ähnlich sieht. Auch wenn sich die Story dahinter um die gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol dreht - profil hatte den richtigen Riecher. Am Sonntag gab Schüssel einen weiteren Hinweis auf die Verbreitung von akuter Schizophrenie in der ÖVP. Wochenlang versicherte die Volkspartei jedem, der es schon nicht mehr hören wollte, dass die Weichen für den Gang in die Opposition gestellt worden seien. Als selbst Journalisten die Ankündigung schon fast ernst nehmen wollten, verkündete Schüssel in der Pressestunde locker und ohne nähere Begründung, nun doch mit der SPÖ in Regierungsverhandlungen treten zu wollen. Ach ja, natürlich sei auch die Oppositionsvariante nach wie vor aktuell. Aber das nimmt dem Vizekanzler wohl hoffentlich niemand mehr ab. Das "Ja" zu Regierungsverhandlungen bedeutet für die ÖVP zwangsläufig den Eintritt in eine Koalition, welche auch immer. Denn eine ÖVP in Opposition bedeutet mangels Koalitionsalternativen über kurz oder lang Neuwahlen. Und dabei gibt es nach dem Theater der letzten Wochen einen heißen Anwärter auf die "Blecherne": Wolfgang Schüssel. G. J.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige