Ein österreichischer Untergang

Seefahrt Vier polnische Matrosen starben, als vor einem Jahr im Atlantik der 3000-Tonnen-Frachter MS Rautz sank. Am Heck, unter rot-weiß-rotem Banner, stand als Heimathafen "Wien" zu lesen. Was die österreichische Überseehandelsflotte Lloyd auf den Weltmeeren treibt, wie es um den alten Seehafen Triest steht und warum Österreich auf See ein Billigstlohnland ist, diese Fragen beantwortet

Politik | Thomas Brunnsteiner | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Die Ladung verflüssigt sich. 3000 Tonnen feinkörniges Kupfererz im Bauch des Schiffes kommen in Bewegung. Der Kapitän lässt die Maschinen drosseln, den Kurs ändern. Das Ziel ist nicht mehr der polnische Seehafen Stettin. Das Ziel ist, nicht zu kentern. Die MS Rautz bekommt leichte Schlagseite. Der Kapitän steigt hinunter in den Laderaum, geht auf dem Kupfererz auf und ab. Ein Achtel der Fracht, fünf, sechs Meter tief unten im Rumpf, ist zu einer breiigen Masse geworden, nicht mehr. Doch das reicht. Noch am selben Tag, dem 13. Juli 1998, kentert und sinkt das Motorschiff Rautz binnen Minuten, 160 Kilometer vor der portugiesischen Küste. Bei ruhigem Seegang und passablem Wetter. Die Ladung war hin- und hergeschwappt wie in einem halbvollen Wasserglas. Ein Gutachten wird Monate später die marokkanische Verladerfirma im Hafen Safi als Schuldigen ausweisen. Das feuchte Erzkonzentrat hätte nicht verschifft werden dürfen. Nicht auf der MS Rautz.

Über 30 Stunden verharren sechs der zehn


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