Arge Zeiten, brüchige Welt

Literatur In seinem Roman "Stepper oder Die Kunst der Spionage" beschreibt Brian Castro den inneren Zerfall seines Helden, der für die Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland und Japan spioniert.

Kultur | Alfred J.Noll | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Am Ende ist er also tot. Hingerichtet von den Japanern. Viktor Stepper, schon zu Lebzeiten eine Legende, Frauenheld und findiger Spion. Vor seinem Tod hatte er für Stalin die japanischen Aufmarschpläne in der Mandschurei ausgeforscht, hatte das Verhältnis von Deutschland und Japan erkundet. Die Methode war ebenso einfach wie erfolgreich: Getarnt als deutscher Journalist machte er sich an die fadisierten Frauen der Nazis heran, legte sie flach, begeisterte sie mit Eloquenz, Wagemut und dem Image des kurzweiligen Abenteurers - nicht zu vergessen "seine großen, kräftigen Hände und seine lebhaften, brennenden Augen". Kaum eine, die nicht über die Gespräche ihres Mannes zu berichten wusste. Kaum ein Fick, der nicht verwertbar war.

Das Spiel führt zu keinem guten Ende. 1944, kurz vor Kriegsende, gelingt es dem rührigen Chefinspektor Shimamura, den Spionagering zu sprengen. Das "Japanertum" hat gesiegt, Stalin wollte seinen Top-Agenten nicht retten. Später, Mitte der Sechzigerjahre,


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