Die Welt als Muskelspiel

Literatur Mit seinem Roman-Querschnitt durch alle Schichten von Atlanta hat sich Tom Wolfe etwas überhoben. Prominente Kollegen haben ihm jedenfalls den Status des Literaten aberkannt.

Kultur | Christian Zillner | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Es ist ein muskulöses Opus." Im New Yorker spielt John Updike auf die körperlichen Eigenschaften des ganzen Kerls Charlie Croker in Tom Wolfes "A Man in Full" ebenso an wie auf die Absicht des Autors, mit seinem voluminösen Werk andere Bücher "von den Verkaufstischen zu verdrängen".

Muskeln, wohin man blickt. Wolfes Protagonist zum Beispiel, Conrad Hensley, verdankt seine Popey-artigen Unterarme dem Hantieren mit Kartons gefrorener Hühner in Charlie Crokers Global Warehouse. Unglückliche Umstände bringen ihn in ein amerikanisches Gefängnis, ein Inferno aus Muskeln und Brutalität, in dem Hensley zufällig auf Texte des römischen Stoikers Epiktet stößt. Er lernt daraus, dass der Stoiker stets mit fröhlichem Gleichmut auf seis auch noch so schreckliche gesellschaftliche Verhältnisse reagiert, ohne vom geraden Weg der Tugend abzuweichen.

Diese Popey-Moral rettet Hensley, doch der Rest der Romanfiguren scheint dem Untergang geweiht: Abwärts geht es mit Charlie Croker, seinem Firmenimperium,


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