Aal auf Bewährung

Film Der japanische Film "Der Aal" ist schwer zu fassen. Die Grenzen zwischen Realität und Imagination sind ebenso fließend wie die zwischen den Genres.

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Takuro Yamashita erhält einen Brief von unbekannter Hand. Seine Frau, hören wir eine weibliche Stimme sagen, betrüge ihn. Am selben Abend noch kehrt er früher als gewöhnlich vom Angeln zurück, beobachtet seine Frau beim Sex mit einem Liebhaber, greift sich das nächstbeste Küchenmesser, sticht zu. Rot spritzt auf die Kamera. Danach stellt der Ehemann sich der Polizei. Acht Jahre später wird er auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen.

"Unagi" ist der 18. Film von Shohei Imamura, der seine Karriere als Assistent von Yasujiro Ozu begann und sich in den Sechzigern unter anderem als Dokumentarist einen Namen machte. Formale Geschlossenheit und realistisches Erzählen hat der heute 73-jährige Regisseur inzwischen weit hinter sich gelassen. Der Titel, zu Deutsch "Der Aal", bezieht sich auf die geheimnisvolle, fast symbiotische Beziehung zwischen dem Mörder und jenem Exemplar dieser Spezies, das er in der Haft einmal aus dem Abwassertümpel gefischt hat: "Er hört zu, was ich sage.


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