Im Westen nichts Neues

Kunst In der Secession schreiben Johanna Kandl und Ann-Sofi Siden ihre eigene Version der europäischen Zeitgeschichte.

Meike Schmidt-Gleim | Kultur | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Besuchen Sie das gute alte Europa, solange es noch steht! Zwei Ausstellungen in der Wiener Secession zeigen, wie es um die Glaubwürdigkeit seiner stets strahlenden Selbstdarstellung gegen Ende unseres Jahrtausends steht. In ganz unterschiedlicher Weise setzen Johanna Kandl und Ann-Sofi Siden den ideologischen Beschwörungsformeln der Europäischen Union ein Bild von Europa entgegen, das an seinen Widersprüchen schwer zu kauen hat: Kandl installierte dazu gleich ganz Europa in Miniatur, Siden hingegen suchte sich einen kleinen, unbedeutenden, für dieses andere Europa aber exemplarischen Ort heraus. Bei allen Maßstabsdifferenzen verbindet die beiden Beiträge neben dem Generalthema auch die gezielte Einbeziehung der Ausstellungsarchitektur.

Johanna Kandls Adaption des Hauptraums der Secession ist eine symbolische Übersetzung der jüngeren politischen Zeitgeschichte Europas. Eine Wand teilt den Raum wie einst die Mauer Berlin oder der Stacheldraht Europa in "hüben" und "drüben". Damit

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