Die verbotene Stadt

Vorstadt Arthur Schnitzler drehte schon in der Albertgasse um. Sigmund Freud blieb lieber der noblen universitären Abgeschiedenheit im Alsergrund treu. Robert Musil wagte nur von der Stadtbahn aus einen Blick über den Gürtel. Denn dahinter, in der Vorstadt, lauerte die Anarchie.

Stadtleben | Patrik Volf | aus FALTER 49/99 vom 08.12.1999

Wien um 1900. Eine Prachtgeschichte. Gustav Klimt hüllt seine Frauenfantasien in Gold. Otto Wagner plant die neue Stadt und wird sie dennoch nicht errichten. Arthur Schnitzler bohrt in der Moral der großbürgerlichen Gesellschaft, Sigmund Freud wird an der Universität verlacht und lauscht in der Berggasse eigenartigen Träumen. Der Wortgigant Karl Kraus erklärt das Sirk-Eck am Ring zum Mittelpunkt der Stadt. Robert Musil martert sich Seite für Seite mit seinem "Mann ohne Eigenschaften" und wird ihn doch nie vollenden. Wien um 1900. Der Mythos ist nur eine Stadt, an der Peripherie entsteht eine andere. Am Gürtel endet der Mythos. Dahinter beginnt das Unbekannte, das Verbotene, der Dreck, die Kriminalität, die Prostitution. Dahinter liegt die Vorstadt.

Unauffällig wie ein überwachsener Grenzstein markiert heute der Goldene Pelikan, besser bekannt als Weinhaus Sittl, jene Trennlinie zwischen den beiden Städten der Jahrhundertwende. Das Sittl ist das letzte der großen Wiener Vorstadtwirtshäuser


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