Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

... gab es Kritik von Mischa Jäger an der Art und Weise der "Presse"-Berichterstattung.

Presse für Narrenfreiheit Zwei Wochen nach ihrem Ausritt gegen "die Handvoll Anarchisten", den "harten Kern von hundert Mann", die "zunächst ebenso harmlose wie honorige Bürgerinitiativen" aufwiegeln, unterwandern und umfunktionieren, fühlte sich die Pressepolizei durch Störaktionen bei Veranstaltungen der blaublütigen Studentenfraktion JES gegen die Fristenlösung neuerlich alarmiert: In der Presse vom 13.12. ist ein Drei-Mann-Kommando im Einsatz, der Einzelkämpfer vom letzten Mal, Peter Zehrer, flankiert von der Vorsitzenden der JES-Fraktion am Institut für Theaterwissenschaft, Gabriele Jöstl - und einer gewissen Pia Maria Plechl.

Pia Maria zitiert die Neue Freie Presse aus dem Jahr 1929, in der von Störaktionen auf Hochschulboden durch Nazi-Gruppen berichtet wird, die, durch Skandieren von Parolen und Sprechgesängen, die Vortragenden nicht zu Wort kommen ließen. Die Parolen lauteten zumeist "Juden raus!"

"50 Jahre später", meint Pia, "gibt es wieder Berichte von Veranstaltungen auf akademischem Boden, die auf genau dieselbe Weise gestört werden." Statt völkisch "wie die Radikalen von 1929 zu sein, sind diese Gruppen heutzutage ,Linke'". Und die Sprechchöre lauten nicht "Juden raus!", sondern werden variiert. Zitiertes Beispiel: "Ob Kinder oder keine, bestimmen wir alleine.

Abgesehen von der Frechheit, diese Parole mit dem Naziruf "Juden raus!" auf eine Stufe zu stellen, ist die im Titel formulierte Schlussfolgerung im Zusammenhang mit solchen Bemerkungen eine Perfidie, die der Deutschen Soldatenzeitung Ehre machen würde. Es gab eine Zeit, in der die "Juden-raus-Rufer" Gaskammern für die Lösung hielten. Das ist zwar schon lange her, die Rufer aber gibt es immer noch.


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