Schule des Scheiterns

Theater Weit vorbei ist auch daneben: Ibsens "John Gabriel Borkman" im Akademietheater.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Das Akademietheater macht seinem Namen neuerdings alle Ehre. Hatte sich das kleine Haus in den letzten Jahren zu einer Art Aushängeschild des Burgtheaters entwickelt, präsentiert es sich unter Klaus Bachler bislang als eine Art Akademie: Aus der ruhmreichen Renommierbühne ist eine lehrreiche Schule des Scheiterns geworden. Zuerst scheiterte Karin Beier in ihrer "Merlin"-Inszenierung an einer Überdosis Spielwitz, dann kapitulierte Holger Berg im "Spiel ums Baby" vor den Entertainerqualitäten seines Hauptdarstellers. Wieder anders ist nun Nicolas Brieger mit Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" gescheitert.

Der wenigstens im Schauspiel nicht über die Maßen berühmte Regisseur war in Wien schon vor drei Jahren unangenehm aufgefallen, als er für die Festwochen (Intendant: Klaus Bachler) Grillparzers "Sappho" im doppelten Sinn des Wortes in den Sand gesetzt hatte. Ähnliches hat er jetzt auch mit Ibsen gemacht; nur dass der Bühnenboden diesmal nicht mit Sand, sondern - hier hat Brieger


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