Neurosenkavalier

Musiktheater Anlässlich des 50. Todestages von Richard Strauss inszenierte Robert Carsen dessen "Frau ohne Schatten" an der Staatsoper "im Lichte der Psychoanalyse" und versuchte, die Problematik der Oper wegzutherapieren.

Jürg Stenzl | Kultur | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Dem Text kaum zu folgen, was ich kannte, was ich davon weiß, empfand ich als gekünstelt, von falscher Tiefe und Humanität. Musik, glanzvoll, wohlklingend - mit Neigung zur Banalität." Arthur Schnitzler hat sich zur Uraufführung der "Frau ohne Schatten" von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss in der Wiener Staatsoper 1919 ungewöhnlich harsch geäußert. Hofmannsthals Text ist in der Tat sprachlich und inhaltlich hypertroph, überladen - die Erlösungsthematik, das reaktionäre Frauenbild und esoterisches Sektierertum waren bereits damals eine Welt von gestern.

In der Partitur finden sich zwar zahlreiche aufregende harmonische und orchestrale Einfälle. Als Ganzes jedoch wirkt die Oper wie ein Manifest für einen monumentalen Operntypus, den Strauss bereits 1901 mit der frechen "Feuersnot" hinter sich gelassen und auch mit dem "Rosenkavalier" nicht wirklich restauriert hatte. Im dritten Akt, wenn alles zur großen Versöhnung von Himmel und Erde, Arm und Reich drängt, erlischt

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