Bären nach Berlin tragen

Literatur Der vor langer Zeit geforderte Roman über das vereinigte Deutschland wurde nun von Joachim Lottmann geschrieben

Kultur | Tobias Heyl | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

War es Reich-Ranicki? Oder Schirrmacher? Egal: Es war ein wichtiger Frankfurter Literaturkritiker, der irgendwann in den Neunzigerjahren den großen Gesellschaftsroman zur deutschen Einheit eingefordert hat. Eine vielleicht etwas schrullige Forderung, über die man seinerzeit lächeln oder lästern mochte, aber irgendwann geriet die Sache in Vergessenheit, und das war sicher gut so. Joachim Lottmann dagegen, Zeit-Autor und Romancier ("Mai, Juni, Juli, 1987"), findet diese Episode weiterhin so bemerkenswert komisch, dass er um sie herum einen ganzen Roman gebastelt hat: "Deutsche Einheit" ist sein Titel. Und natürlich entspricht er ganz und gar nicht den Erwartungen des Frankfurter Kritikers, ganz gleich, wer es nun war.

Kurz die Geschichte: Ein nicht mehr ganz junger Mann (West) kommt 1995 nach Berlin, um dort als Stipendiat den Roman zur deutschen Einheit zu schreiben. Er recherchiert in West und noch mehr in Ost, lernt jede Menge junger Frauen kennen, mit einer (Ost) schläft er denn


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