Bergdrama: Oje, Simpson!

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Man sagt, ein schlimmes Knie ist schlimmer als überhaupt kein Knie. Ein schlimmes Knie, ein frühes Grab", meinte ein gewisser Shanahan in Flann O'Briens famosem Roman "Im Schwimmen-Zwei-Vögel". Noch schlimmer ist allerdings, wenn man sich ein Kniegelenk in der Gipfelregion eines abgelegenen peruanischen Sechstausenders bei einem Sturz völlig zerschmettert, was dem jungen britischen Bergsteiger Joe Simpson vor einigen Jahren passierte.

Immerhin: Der Bergkamerad hilft und seilt den Verletzten Hunderte Meter über steile Schneehänge ab. Doch es kommt noch schlimmer: In der einbrechenden Dunkelheit schießt dieser bei der gesicherten Rettungsrutschfahrt über eine Wächte hinaus, baumelt plötzlich im Leeren. Sein Gefährte rutscht beim Sichern zentimeterweise auf den tödlichen Abgrund zu, ehe er sich gezwungen sieht, das Seil durchzuschneiden, um nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden. Simpsons "Sturz ins Leere" endet letztlich - und jetzt wird es wirklich ganz schlimm - am Grund einer 30 Meter tiefen Gletscherspalte.

Der von Schuldgefühlen geplagte Kamerad gibt seinen vermeintlich toten Gefährten auf - schlimmer gehts nun wirklich nicht mehr -, und doch sollte sich Joe Simpson aus eigener Kraft aus dieser ausweglosen Situation retten. Wie er sich aus seinem eisigen Grab befreien kann und sich trotz unvorstellbarer Schmerzen fast drei Tage lang ins mehr als zehn Kilometer entfernte Basislager schleppt, ist eine der legendären - und zudem blendend geschriebenen - Überlebensgeschichten des Alpi- bzw. Andinismus, die kürzlich als wohlfeiles Taschenbuch wieder aufgelegt wurde.

Joe Simpson: Sturz ins Leere. Überlebenskampf in den Anden. Aus dem Englischen von Jürg Wahlen. München 1999 (Heyne TB). 270 S., zahlr. Abb., öS 109,


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