Bergroman: "Le Beatnik"

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Es war eine der ganz legendären Rettungsaktionen, die sich im August 1966 in der Westwand des Petit Dru, dieses 1800 Meter hohen Granitobelisken oberhalb von Chamonix, abspielte. Zwei deutsche Bergsteiger stecken nach zwei Dritteln der Wand fest, Schlechtwetter zieht auf und vereitelt alle Rettungsaktionen. Bis der Kalifornier Gary Hemming davon hört, mit einem eigenen Team in die völlig vereiste Wand einsteigt und die Deutschen nach einem dreitägigen alpinistischen Bravourstück rettet. Am Fuße der Wand warten Dutzende Medienvertreter und machen "Le Beatnik" - wie ihn die Franzosen liebevoll nennen - zur lebenden Legende. Drei Jahre später begeht Hemmings aus rätselhaften Gründen Selbstmord.

James Salter, der hierzulande erst vor kurzem entdeckte Großerzähler aus den USA, hat 1975 einen Roman veröffentlicht, der über weite Strecken auf dem Leben von Gary Hemmings beruht: Der Kalifornier Matt begibt sich nach Chamonix und macht durch einige spektakuläre Touren auf sich aufmerksam, bleibt aber weiterhin ein Außenseiter. Erst die spektakuläre Rettungsaktion an eben diesem Berg macht ihn zum Star, der mit dem Ruhm indes nur wenig anzufangen weiß: Der Held bleibt Antiheld, dem Salter indes das tragische Ende erspart.

Mit mehr als 20-jähriger Verspätung ist dieser klug konstruierte und in einer glasklaren Prosa verfasste Roman unter dem Titel "In der Wand" nun auf Deutsch erschienen - eines der ganz wunderbaren Bücher über das Klettern und über männliches Heldentum. Und über das Leben selbst.

James Salter: In der Wand. Roman. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg. Berlin 1999 (Berlin Verlag). 236 S., öS 277,


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