Aufgeblättert

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Selten passte der Titel dieser Rubrik besser: Auf- bzw. umzublättern sind zwei unterschiedliche Druckwerke, die gleich informativ wie ästhetisch durch das kommende Jahr begleiten. Zum einen wäre da "Wissenschaft entdecken", ein immer währender Stehkalender, der täglich mit einer zum Datum passenden Episode aus der Geschichte der Wissenschaft aufwartet. Von Paracelsus bis Konrad Lorenz spannt sich der Bogen der 366 aufschlussreichen Eintragungen, die klug bebildert in Erinnerung rufen, dass unser Land auf eine reiche Forscher- und Erfindertradition zurückblicken könnte - wenn wir nur mehr davon wüssten: Denn wem ist schon bekannt, dass die Lokalanästhesie auf den Wiener Arzt Karl Koller zurückgeht - den "Coca-Koller", wie ihn Sigmund Freud nannte? Oder dass die Erfindung der Bleistiftmine ebenso von einem Österreicher stammt wie das Patent der Verstärkerröhre?

Das "Redstone Diary 2000: Science!", ein wunderschönes Spiral-Kalenderbuch, wartet im wöchentlichen Rhythmus mit sorgsam ausgewählten, interkulturellen Wissenschaftsbildern aus dem zu Ende gehenden Millennium auf. Eine mechanische Zeichnung des Persers Al-Jazzari aus dem frühen 13. Jahrhundert (die verblüffend an die russischen Konstruktivisten erinnert) ist da ebenso zu sehen, wie Leonardo da Vincis Abbildung der Hauptorgane im Körper der Frau oder Rorschachs eigene Klecksversuche.

Florian Kaps: Wissenschaft entdecken. All tägliches Bild österreichischer Forschung. Wien 1999 (Österreichische Akademie der Wissenschaften / ORF). 366 S., öS 298,Julian Rothenstein und Mel Gooding (Hg.): Redstone Diary 2000: Science! London 1999 (Redstone Press). Ca. 75 S., öS 295,- (erhältlich bei Shakespeare & Co., 1., Sterngasse 2).


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige