Stadtrand: SM an der Wursttheke

Stadtleben | aus FALTER 50/99 vom 15.12.1999

Seinen Shopping-Masochismus kann man am besten beim Kauf eines Computers ausleben, meint der Chef.

Falsch: Auch der tägliche Einkauf an der Wursttheke gibt immer wieder ausreichend Gelegenheit, sich anpöbeln zu lassen.

Szenario: In der Vitrine liegt Schinken, aufgeschnitten. Sie deuten auf genau jenen Stapel, von dem Sie gern was hätten. Die Verkäuferin nimmt vom Stapel, der zwei Hausnummern weiter liegt. Was dort lagert, sieht nicht besonders aus.

Sie: "Nein, ich meinte diesen Schinken hier." Verkäuferin: "Das ist derselbe."

Sie: "Ja, aber der schaut ziemlich fett aus. Ich hätte lieber was von dem hier."

Verkäuferin (beginnt, Unverständliches zu murmeln, verzieht gereizt die Miene): "Das ist aber wirklich derselbe."

Die Verkäuferin wirft das Wurstzeug zurück, quält sich um die Wurstschneidemaschine, lehnt sich umständlich in die Vitrine, nimmt widerwillig vom anderen Stapel, wiegt, verpackt und knallt das fertige Sackerl auf die Budel.

Sie fragen sich, was gewesen wäre, wenn Sie noch weitere Wünsche gehabt hätten, was Sie dafür können, wenn die Vitrine patschert eingeräumt ist, und ob Sie beim nächsten Mal sicherheitshalber fragen sollten, was Sie haben dürfen. S. N.


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