Standpunkt: Berufsjugendliche

Politik | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Er ist relativ jung, sieht auch so aus und hat ziemlich gute Kontakte zu den Medien. Und er landete - natürlich - bei den Grünen. Lothar Lockl, der neue Mann für die Kampagnenarbeit der Öko-Partei, wurde wie schon die Neo-Nationalrätin Eva Glawischnig der Umweltorganisation Global 2000 abgeworben. Das mediale Echo war für die Anstellung eines gewöhnlichen Parteimitarbeiters bemerkenswert - und nicht zufällig. Die Grünen verstehen es von allen Parteien am besten, das riesige Reservoir an politischen Talenten in den zahllosen NGOs zu nützen. Das liegt nicht nur an inhaltlichen Überschneidungen. Die stetig schrumpfenden Parteien SPÖ und ÖVP scheitern daran, junge Aussteiger in die Auslage der Partei zu stellen - wegen so genannter "Notwendigkeiten": Da gibt es eben die starken Gewerkschaften, Kammern, Bünde und Landesorganisationen, die altgedienten Funktionären ihre wohlerworbenen Rechte sichern. Die SPÖ versuchte bei der Nationalratswahl zwar mit der Aktivistin Ulli Sima - ebenfalls von Global 2000 - diese Tradition zu durchbrechen. Doch wer hat von Sima seither viel gehört? Die ÖVP ist da gleich konsequenter. Da hielt bisher Werner Amon, obwohl schon deutlich jenseits der 30, als Berufsjugendlicher die Stellung. Mit dem dritten Oktober flog Amon aus dem Parlament. G.J.


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