Heimweh nach Moskau

Essay Ein Krieg ist im Gange, der größte Teil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, die Wahlen wurden zu einem Sieg des verordneten Nationalismus. Russland geht vor die Hunde, und trotzdem ist das Leben eigentlich großartig. Von der Leichtigkeit, öffentlich und privat zu denken.

Politik | Masha Gessen | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Ich möchte eines gleich zu Beginn klarstellen: Mein Land, das heißt Russland, geht vor die Hunde. Ein Krieg ist im Gange - blutig, rücksichtslos und sinnlos. Die Wirtschaft, die vielleicht eine Periode der Stabilität durchmacht (vielleicht aber auch nicht), gleicht im Grunde einem Schlachthaus, in dem ein großer Teil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt und der überwiegende Rest durch Beute aus Kriminalität und Korruption überlebt. Die politische Situation war nie schlimmer: Hart verdiente demokratische Freiheiten werden jeden Tag weiter und weiter beschnitten, die Parlamentswahlen sind eine Farce und das immer blutigere und zynischere Jeltsin-Regime ist eingerichtet für die Ewigkeit. Und ich, nach nahezu drei Monaten in Wien, kann es nicht erwarten, wieder nach Hause zu kommen.

Erlauben Sie mir, dass ich noch eines klarstelle. Ich hatte hier ein Stipendium, war beurlaubt von meiner Zeitung, und mir fehlt meine Arbeit, meine Freunde, meine Wohnung - und doch ist mein dringendes


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