Bedient: Hitzig in Hietzing

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Herr S. ist über ein Gartentor geklettert. Ein Hietzinger Gartentor. Nicht weil er Einbrecher ist, sondern weil sich die Freundin, die er besucht hat, niedergelegt hat und er keinen Türschlüssel dabeihatte. Ein schlafloser Nachbar alarmiert wegen dieses "Verbrechens" die Polizei. Ein Polizeibus rückt aus. Am Hietzinger Kai wird Herr S. gestellt, er erzählt seine Geschichte. Zwei weitere "Funkwagenbesatzungen" treffen ein. Sechs Polizisten verlangen nun, dass S. mit ihnen an den "Tatort" kommt und seinen Ausweis hergibt. "Bis dahin war alles völlig korrekt", sagt Herr S. Im Streifenwagen gehts los. S.: "Kann ich meinen Ausweis zurückhaben?" Polizist (im Kasernenton): "Wann Sie hier was zurückbekommen, des bestimm ich!" Ich wurde, schreibt Herr S., "im Streifenwagen ständig provoziert". Etwa so: "Was haben Sie hier verloren?" oder "Nachts über Haustore klettern, des hamma gern!" Endlich am Tatort. Polizist (brüllend): "Sie warten hier!" Herr S.: "Nein, das ist mir zu dumm, ich werde bei meiner Bekannten läuten." Polizist: "Wann i sag, dass Sie da unten stehen bleiben, dann haben Sie da unten stehen zu bleiben und sich nicht zu rühren. Is des kloar?!" "Ich konnte mir ein ,Idiot' nicht verkneifen", schreibt Herr S. Nun packt der Polizist S. am Kragen und knallt ihn gegen die Wand: "Was ham S' jetzt gesagt?" Nach sechsmal An-die- Wand-knallen wird S. mit den Worten: "Das nächste Mal liegst am Boden, Wappler", losgelassen. "Einem vorgesetzten Hietzinger Polizisten war alles sehr peinlich, er hat sich nach meiner Beschwerde entschuldigt. Das sollte man auch schreiben", lobt Herr S. Vielleicht in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft.

Recht braucht Kolumne. "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Tel. 53660-68 Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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